Brandschatzen 1,5

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    • Brandschatzen 1,5

      Brandschatzen 1,5 oder „Niemand hat vor eine Mauer zu bauen“

      Ziel der Veranstaltung: Simulation einer mittelalterlichen Baustelle für den Wiederaufbau einer Burg.



      Nüchterne Sachlage:

      Freitag bis Sonntag, Zelter, Selbstverpflegung
      Lokation: Eine Burgruine in der Nähe von Koblenz. Am Fusse der Burg befindet sich ein Holzhaus mit Küche, Schuppen, moderne Sanitäre Anlagen + eine kleine Dusche, Lagermöglichkeiten und Strom. Ein kleiner enger Zeltplatz und alles umrandet von steilen bewaldeten Hügeln. Leider läuft direkt dahinter eine Landstrasse und eine Bahntrasse. Letztere ist aber nur 1x am Samstag kurz durch einen Museumszug befahren worden. Die Landstrasse war allerdings vor allem Morgens öfter etwas nervig. Generell aber mit wenig Verkehr welcher auch nur vom unteren Zeltplatz zu hören ist. Die Burgruine liegt auf einem steilen Hügel der durch einen Histo-Schuh unfreundlichen Schotterweg begehbar ist. Nichts für Schlaffis wenn man öfter hoch und runter muss. Ein normaler PKW kann diesen nicht mehr befahren. Aber zum Glück waren ein paar freundliche Larper mit entsprechendem Gefährt und brachten das Material nach oben.
      Die Burgruine hat einen zweistufigen Vorplatz mit Rasen und weiter oben drei ausgebaute Räume welche eine tolle Atmosphäre erzeugen. Darin wurde die Wachstube, das Büro des Baumeisters und der Raum des Ritters(mit Kamin) dargestellt. Hier faselten sich die Gäste des Ritters was zurecht während unten auf dem Vorplatz unzählige Handwerksstände aufgebaut wurden.

      Alle nicht Adels Rollen machten sich beim Baumeister und seinem Buchhalter oben in der Burg vorstellig und von 5 Minuten bis 20 Minuten Interview war alles dabei. Sie erzählten was sie gemacht haben, wo, mit wem, was gelernt und als was sie arbeiten wollten. Sie erhielten dann eine Art Arbeitsvertrag und eine Besoldung (ausgezahlt am Ende eines Siebentages) und wurden den Vorarbeitern unterstellt. Zwar war das in Summe echt anstrengend aber hat auch sehr viel Spaß mit den ganzen unterschiedlichen Charakteren gemacht.
      Es gab eine Bauhütte für Stein, eine für Zimmerrey, eine für Farben, Mörtel und Kleinkram,die Kämmerrey welche hauptsächlich Tagelöhner bekam und eine für die Vermessung. Zudem wurden noch ein Jäger, ein Gerber und Kirschner und eine Kräuterfrau eingestellt. Ein Holzfällerlager etwas abseits der Burg bearbeitete die Holzstämme.Natürlich wurden auch teuren Lizenzen für einen wandernden Wirt, Verkäufer etc. vergeben.
      In allen Bereichen wurde im Grunde etwas reales bearbeitet und gebaut. Mehrere Spieler konnte sich so einmal unter Anleitung eines realen Steinmetzes an der Bearbeitung versuchen und am Ende ein tolles Wappen Relief aus dem Stein schlagen welches dann in der Malerey mit angemischten Farbpigmenten und Kalk verziert wurde. Dafür wurde viel Material zur Burg gebracht. Es gab 2 Warenlager von welchen die Materialien transportiert wurden und in Summe waren es erste Ansätze eines guten Ressourcenspiels. Ein toller Kräutergarten wurde gebaut sowie diverse Werkzeuge gedrechselt und alles was so zu einer mittelalterlichen Baustelle gehört. Der Ritter wuselte mit seinen Gästen über die Baustelle während der Baumeister den Fortschritt und die weitere Planung der Burg mit ihnen erörterte und der Buchhalter die Bücher fälschte. Ein reges Treiben aus Arbeitern, Faulenzern und anderen Typen welches eine tolle Atmosphäre erzeugte.

      Zusammen mit dem guten Wetter waren dies wirklich Kingome Come Deliverance Momente wie es sie leider viel zu selten auf einem Larp gibt. Hier möchte ich sie auch weniger beschreiben, sondern lasse die Fotos die gemacht wurden für sich sprechen.

      Spieler: Waren natürlich wieder in jeder Qualität und Erfahrungsstufe vorhanden. Es gab sicherlich auch ein paar Spieler die trotz klarer Information im Vorfeld einfach für sich auf der falschen Veranstaltung waren oder mit dem falschen Charakter. Aber viel mehr waren Spieler dabei die nochmal ganz klar das Feedback gegeben haben, dass sie nicht viel erwartet haben, mit Langeweile rechneten oder dachten es wird mit Schaumstoff auf Stein gehauen. Das Feedback von Ihnen Sonntag Morgen war jedenfalls total begeistert und sie forderten ein Folgecon.

      Natürlich fehlte am Anfang etwas die Erfahrung wie eine solche Baustelle fürs Spiel funktioniert. Zudem sind viele NSCs kurzfristig abgesprungen, so dass die Orga fast alle Rollen selbst umsetzen musste.

      Neben der Baustelle gab es etwas Plot in welchen der ehemalige vertriebene Burgherr als Brigant in den Wäldern mit seinen Mannen wartete und nachdem sein Bruder wegen eines Mordes von uns gehängt wurde, er auf Rachefeldzug zuerst die Holzfäller tötete und dann versuchte an ein wichtiges Dokument in der Burg heranzukommen. Auch die ehemalige Arbeiterbelegschaft die wegen Gründung einer Gewerkschaft und damit Vertragsbruch rausgeworfen wurde, zeigte sich erzürnt auf der Baustelle um ihre Arbeitsplätze mit Gewalt zurück zu fordern.
      Daneben sorgte der Baumeister für viel Spiel indem er Leute bevorteilte oder gegenteilig behandelte und mit vielen Aktionen Verwirrung oder Folgeplots generierte. Das sind einfach zu viele Dinge um sie hier aufzuzählen. Es hatte z.B. jede Bauhütte einen eigenen Messstab mit Fuss, Elle etc. Aber jeder Messstab war unterschiedlich vom Normstab des Baumeisters.
      Die Spieler dichteten der Veranstaltung natürlich larp gewohnt viele Plots wie Flüche, Serienmord, Drogenhandel, Dämonenkram, Kirchenbau oder anderen komischen Kram an. So wurden dem u.a Baumeister, mir persönlich teilweise einfach zu sehr künstlich, Sachen angedichtet.
      Auch merkte ich recht schnell anhand der Gespräche wer mehr als nur seinen Namen grunzen konnte oder Larp Anfänger technisch nur mit Angriffsfloskeln ein Gespräch führte.
      Dabei kristallisierten sich ein paar Spieler aus der Masse mit welchen es wirklich tolles Spiel von allen Seiten gab. Diese haben definitiv einen super Job gemacht und ich freue mich auf weitere Spielerfahrung mit ihnen.

      Fazit:
      Es war eine MA-Alltagssimulation!Ein anderes Konzept was nicht mit einem normalen Fantasycon etc. gleichgesetzt werden kann.
      Wer das nicht mag, für den ist und war das falsch. Auch benötigt man aus meiner Sicht etwas Eigendynamik und darf nicht erwarten man wird dort bespaßt.

      Wer bei solchen Sachen aufgeht, der fand hier eine wunderschöne Baustelle mit vielen tollen Gewerken vor. Das Spiel unter den Charakteren war in Summe super, die vielen kleinen „Plots“ machten die Baustelle lebendig und sorgten für Stimmung. Das erste Feeback der Spieler war super und die IT-Dichte war sehr hoch.
      Für den Aufwand benötigt man definitiv einen weiteren vollen Spieltag der fehlte, damit überhaupt gewisse Spielmechaniken greifen können. Aber diese sind nur optional zu den realen Gewerken zu sehen.

      Ich hatte sehr viel Spaß und intensives Charakterspiel wie ich es mag. Auch wenn ich mehr real organisiert habe und dadurch der nötige Freilauf zum gut durchdachten Spiel oft fehlte.
      Für mich jedenfalls ganz oben dabei in meiner Highlight Liste und würde sofort Urlaub für eine weitere Episode opfern.
      Denn für solche Cons mache ich Larp! :dafuer:
      Alle Menschen werden als Unikat geboren, doch die meisten sterben als Kopie

      Optik vor Praktikabilität...oder warum sollte ich sonst schales Bier trinken?!